Gastbeitrag: Mobilitätswende

Harry Evers ist Geschäftsführer der ITS Hamburg 2021 GmbH und schreibt in diesem Gastbeitrag über die Mobilitätswende.

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Verfasst von

Harry Evers

Harry Evers ist Geschäftsführer der ITS Hamburg 2021 GmbH.

Die Rahmenbedingungen sind klar und liegen schwarz auf weiß vor: 2015 einigten sich 197 Staaten in Paris auf Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase und eine maximale Temperaturerhöhung um 2 Grad. Der im Jahr 2019 von der EU kommunizierte „Green Deal“ enthält in dem umfassenden Maßnahmenpaket auch eine „Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität“ die im Dezember 2020 veröffentlicht wurde. In diesem Jahr wird die „Nationale Plattform Zukunft der Mobilität“ im Auftrag der Bundesregierung das Ergebnis mit der Expertise von über 200 Experten auf dem ITS Weltkongress für Mobilität in Hamburg vorstellen.

Um Klimaneutralität zu erreichen, müssen die verkehrsbedingten Emissionen bis 2050 um 90 % gesenkt werden. Alle Verkehrsträger (Straße, Schiene, Luft- und Schifffahrt) werden zu dieser Verringerung beitragen müssen. Die Verwirklichung einer nachhaltigen Mobilität bedeutet, den Nutzern Vorrang einzuräumen und ihnen erschwinglichere, besser zugängliche, gesündere und sauberere Alternativen zu ihren derzeitigen Mobilitätsgewohnheiten zu bieten.

Hamburg hat sich bereits 2016 zu einer langfristigen Strategie zur Einführung von intelligenten Transportsystemen und Services (ITS Roadmap) verpflichtet, die inzwischen bis 2030 fortgeschrieben wurde. Parallel hat sich Hamburg aktiv um die Ausrichtung des ITS-Weltkongresses für Mobilität als nationaler Vertreter der bundesdeutschen Interessen gemeinsam mit dem Ministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur BMVI in Berlin beworben und in einem internationalen Wettbewerb den Zuschlag erhalten. Aktuell existieren allein in Hamburg über 200 innovative Mobilitätsprojekte, die wesentlich zu einer Aufbruchstimmung für die Präsentation der Ergebnisse zum Weltkongress im Oktober 2021 beitragen.

Das Engagement hat sich auch objektiv und in der nationalen und internationalen Wahrnehmung gelohnt: dem in der ITS-Strategie erklärten Ziel, Hamburg zur Modellstadt für zukünftige, nachhaltige und integrierte Mobilität und Logistik zu entwickeln, konnte in den letzten Jahren auf nationaler Ebene bereits entsprochen werden. Hamburg hat in der Bewertung des Bitkom Smart City Index 2020 den 1. Platz belegt - insbesondere der große Vorsprung Hamburgs im Teilbereich Mobilität (96,8 Punkte, vor München mit 91,0 und Aachen mit 83,75) ist bemerkenswert (Bitkom 2020).

Die langjährigen Vorbereitungen zur Durchführung des Weltkongresses haben zum Start und zur Beschleunigung vieler Prozesse und Projekte geführt. Die Integration der beteiligten Partner aus allen Bereichen und die Einbeziehung sowie Mitnahme der Bevölkerung zum Ausprobieren, Diskutieren, Verändern und Verbessern sind der Schlüssel zum Erfolg.

Blickt man in die Entwicklungen anderer internationaler Städte wie z.B. Kopenhagen, Amsterdam, Wien oder Singapore erkennt man spezifische Profile, die mit den Städten und den Alleinstellungsmerkmalen assoziiert werden. Fahrradverkehr mit Kopenhagen, E-Mobilität und Parkraummanagement mit Amsterdam und das Öffentliche Nahverkehrssystem mit Wien.

Der Stadtstaat Hamburg setzt mit seinem Hafen ähnlich Singapore konsequent auf intelligente Mobilitätskonzepte, etabliert und betreibt Test- und Reallabore und erprobt attraktive Services. Im Rahmen des letzten Weltkongresses 2019 hat sich eine Delegation aus Hamburg in intensivem fachlichen Austausch vor Ort in Singapore ein Bild gemacht und dabei die gesicherte Erkenntnis gewonnen, dass Hamburg und Singapore vergleichbaren verantwortungsvollen Aufgaben gegenüberstehen und mit ganzheitlichen, intelligenten Lösungen die Mobilitätswende vorantreiben.

Das liegt sicher auch an der vorgegebenen strukturellen Infrastruktur in der Metropolregion, die adaptierte und pragmatische Lösungen erfordert - der Hafen und das eingebundene Hinterland sowie die Wirtschaftsverkehre, in Kombination mit dem individuellen Verkehrsaufkommen, sind hier besondere Herausforderungen.

Außerdem existiert in Hamburg, aber auch in den beiden Nachbarländern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, eine offene und aktive politische Unterstützung, um die Gestaltung der Zukunft für die Menschen in der Region attraktiv und umweltorientiert zu begleiten.

Hamburg muss die Chance nutzen, den objektiv erarbeiteten und national wahrgenommenen Vorsprung zu festigen und auch international weiter auszubauen. Das klare Bekenntnis zur Mobilitätswende und die weltoffene Einstellung, andere Städte und Regionen, aber auch Unternehmen dazu einzuladen, den Erfahrungsaustausch aktiv zu betreiben sorgen für eine weiter wachsende nationale und Internationale Aufmerksamkeit. .

Ziel muss es sein, gemeinsame Lösungen zu identifizieren und zu übernehmen, damit nicht jede Stadt seinen eigenen Weg erproben muss. Die Zeit dafür reicht nicht aus, um die notwendigen und festgelegten Klimaziele in Deutschland und weltweit zu erreichen.

Der damit verbundene wirtschaftliche Aspekt für Hamburg ist nicht zu vernachlässigen – Hamburg sollte sich daher als Referenzpunkt und Labor für nachhaltige und digitale urbane Mobilität unter realen Rahmenbedingungen entwickeln und bewusst das „Tor zur Welt“ aktiv öffnen: Ideen und Ergebnisse teilen und anderen Städten und Regionen bei Bedarf mit Erfahrungen und innovativen Lösungen aus der Praxis helfen.

Der kommende Weltkongress im Oktober bietet hierzu die Möglichkeit, die Bevölkerung in die Mobilitätswende mitzunehmen. Jede Gesellschaft braucht Mobilität und in Hamburg kann jeder durch zahlreiche Angebote während des Kongresses Praxiserfahrung mit neuen Anwendungen und Angeboten sammeln.

Politik und Verwaltung müssen initiieren – die Bevölkerung ist aber mit in der Verantwortung. Zusehen und abwarten reicht nicht. Mitmachen und konstruktive Kritik im Sinne des gelebten Klimawandels für alle ist guter hanseatischer Bürgersinn und birgt die Chance für die nächsten Jahrzehnte und Generationen.

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